Schneider nimmt die Ausfahrt

Florian Schneider bzw. sein Schaufenster Alter Ego

Es ist offiziell: Florian Schneider hat Kraftwerk verlassen. Entsprechende Gerüchte, die aufkamen als Kraftwerk ihre US-Konzerte im Sommer des vergangenen Jahres ohne Schneider absolvierten, wurden jetzt bestätigt. Auf der offiziellen Fansite kraftwerk.technopop.com.br wurde am gestrigen Montag gemeldet:

Florian Schneider leaves Kraftwerk after a 40 years
partnership with Ralf Hütter.

This partnership has generated an incredible
music and huge advances in music technology.

Florian is a great musician, always seeking
the perfect sound through technology. Refined
and perfected sounds and vocoders to impossible
levels of perfection.

Our thanks for the state of art that led to
Kraftwerk’s music all these years.

And our wishes for success Florian’s new
projects as well as to this new Kraftwerk.

Florian Schneider ist neben Ralf Hütter Gründer der wohl einflussreichsten deutschen Pop-Gruppe (gern auch liebevoll die „elektronischen Beatles” genannt). Hütter und Schneider starteten 1968 zunächst die Band Organisation, aus der zwei Jahre später Kraftwerk hervorging. Schneider galt bei der ohnehin äußerst zurückgezogenen Künstler-Formation als der verschlossenere Teil. Auf der Bühne wird seinen Platz nun Stefan Pfaffe aus dem KlingKlang-Umfeld einnehmen. Bei diesem performanten Part, der von Spöttern gern so beschrieben wird, dass es anmute als würden vier ältere Herren vor Publikum ihre eMails checken, übernimmt er nun die Position des „Video Operators”.

Gerade im Ausland werden Kraftwerk als bedeutendster deutscher Beitrag zur Pop Musik gesehen. Ihre Pionierarbeit im Bereich der elektronischen Klangerzeugung und ihre charakteristischen Robovox-Stimmen beeinflusste nicht nur Bands und Künstler wie David Bowie, Brian Eno, Laibach, New Order oder Depeche Mode, sondern ganze Musikstile wie Detroit Techno, Ambient und Synthie Pop.

Als die fünf wichtigsten Alben der Kraftwerk-Diskographie gelten:

Autobahn (1974)
Mit ihrem vierten Album wenden sich Kraftwerk von ihrer sehr am Krautrock ausgerichteten Experimentierphase ab und dem klassischen Kraftwerk-Sound zu. Es ist zudem das letzte Album mit Gitarrist Klaus Dinger vor dessen Gründung der einflussreichen Gruppe Neu!.

Radio-Aktivität (1975)
Erstmals wurden ausschließlich elektronische Instrumente verwandt. Das Konzeptalbum rund ums Thema Sende-Kommunikation und Kernenergie verwendet Cage-artige Klang- bzw. Nicht-Klang-Sequenzen und ist ferner das erste Album, das Kraftwerk auch in englischer Sprache veröffentlichen.

Trans Europa Express (1977)
Neuartige Sequenzer kommen zum Einsatz und Kraftwerk entwickeln ihre straffe, charakteristische Rhythmik. Der stilistische Archetypus dieses Sounds wurde später prägend für Musiker von HipHop bis Techno. Die Titelmelodie erreichte 1982 erneute Aufmerksamkeit als Grundlage für Afrika Bambaataas Hit „Planet Rock”.

Die Mensch-Maschine (1978)
Aufbauend auf den Sound seines Vorgänger-Albums birgt „Mensch Maschine” echte Pop-Hits wie „Das Model” oder „Die Roboter” und nahm deutlichen Einfluss auf die britische Synthie Pop und New Romantics – Bewegung.
Das Cover gestaltete Karl Klefisch mit deutlichem Bezug auf den russischen Konstruktivismus, was der Band die verirrte Kritik einbrachte, mit faschistischer Bildsprache zu spielen.

Computerwelt (1981)
Nach der Beschäftigung mit eher abstrakten Zukunftsvisionen („Mensch-Maschine”) wandten sich Kraftwerk hier wieder konkret verfügbarer Technologie zu („Taschenrechner”). Mit Textzeilen wie „Finanzamt und das BKA – Haben unsere Daten da” nehmen sie außerdem Bezug auf wachsende Überwachung der Privatsphäre (das Jahr 1984 ist immerhin nicht mehr weit). Der Track „Nummern” gilt zudem als Klassiker des Elektro Funk.

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